#verfall

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strasslex
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Die Bucht des Ertrunkenen Lichts

Die Hoffnung schmeckte nach Rost und abgestandenem Öl, ein metallischer Film, der sich über die Zunge legte, wann immer der Blick über die Bucht glitt. Es war die Stunde, in der die Sonne, ein geschwollenes, gelbes Auge am Horizont, ihren letzten, toxischen Atem über die Szenerie hauchte. Das Licht war kein Versprechen mehr, sondern eine Warnung, ein goldener Schimmer, der nur dazu diente, die Ungeheuerlichkeit des Verfalls zu beleuchten.

Die Küste war kein Ufer, sondern ein Friedhof der Zivilisation, ein breiiger, stinkender Teppich aus dem, was die Welt ausgespuckt hatte. Plastikflaschen, die wie weiße, mutierte Knochen aus dem Algenschleim ragten, verfilzte Netze, die die ertrunkenen Träume der Fischer fingen, und ein unbestimmbarer, brauner Schaum, der die Oberfläche des Wassers wie eine pestilenzartige Haut bedeckte. Die Bucht selbst war ein leidendes Organ, dessen Atem, ein fauliger Geruch nach Salz, Verwesung und billigem Synthetik, in kurzen, zischenden Stößen an Land schlug.

Inmitten dieses existentiellen Schmutzes dümpelte ein Boot, dessen rote Farbe unter der Patina des Meeres und der Zeit zu einem blutunterlaufenen Braun verblasst war. Es war ein Sarg mit Außenbordmotor, und darin saß eine Gestalt, deren Silhouette von der untergehenden, schwelenden Sonne verschluckt wurde. Die Person war ein Anker der Entfremdung, regungslos, als hätte die Schwere der toten Welt sie an den Boden des Bootes genagelt. Sie blickte nicht auf das Licht, sondern in das Wasser, in den Spiegel der Vergeblichkeit, wo die Reflexion des Himmels nur eine weitere Schicht Schmutz war.

Die anderen Boote, die in der Ferne wie stumme Zeugen einer längst vergessenen Flotte lagen, schienen nicht zu schwimmen, sondern zu verrotten. Ihre Rümpfe knarrten leise, ein Geräusch, das sich anhörte wie das Seufzen alter, vergessener Götter, die in den Tiefen des Schlicks gefangen waren. Jedes Knarren war ein Takt in der Symphonie des Endes, ein monotones, hoffnungsloses Lied, das die Stille der Verzweiflung nur unterstrich. Die Hügel im Hintergrund, einst grün und lebendig, waren nun versteinerte Wächter, deren dunkle Masse die letzte Hoffnung auf einen Ausweg erstickte.

Die Realität war hier nicht fest, sondern zähflüssig und klebrig, wie der Schlamm, der sich um die Füße der Welt legte. Sie hatte den Geschmack von Asche und den Klang von zerbrochenem Glas. Und während die letzte Glut des Tages in der toxischen Brühe ertrank, blieb nur die Frage, die wie ein stumpfer Schmerz im Bauch der Nacht nagte: Wenn selbst das Meer, die letzte große Wildnis, zu einem Müllgrab geworden ist, wo ertrinkt dann die Seele, wenn sie versucht, zu entkommen?

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strasslex
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Chronik des letzten Herzschlags

Der Himmel blutet keinen Regen mehr, nur noch eine zähe, ölige Schwärze, die sich wie ein Leichentuch über die Adern dieser sterbenden Stadt legt. Ich stehe hier, eine Silhouette im endlosen Dämmerlicht, und atme den Geschmack von nassem Asphalt, rostigem Eisen und der süßlichen Fäulnis verglühender Schaltkreise. Jeder Atemzug ist ein Schluck aus dem vergifteten Kelch, den diese Metropole jedem an die Lippen presst, der töricht genug ist, noch zu fühlen.

Die Stadt ist ein Kadaver, durch den noch immer die letzten Zuckungen elektrischer Impulse jagen. Neonreklamen, deren Farben wie offene Wunden in der Dunkelheit pulsieren, versprechen eine “ZUKUNFT AUS SCHROTT” und preisen “VERLORENE SEELEN” an, als wären sie nur eine weitere Ware in den schmutzigen Auslagen der Nacht. Ihre Lichter spiegeln sich in den Pfützen auf dem geborstenen Asphalt, zerbrochene Versprechen, die in den öligen Schlieren tanzen wie die Geister ertrunkener Träume. Über mir, auf den Drähten, die sich wie die Sehnen eines monströsen, verendeten Tieres zwischen den Häuserschluchten spannen, hocken die Krähen – schwarze, reglose Punkte in der grauen Unendlichkeit, stumme Zeugen unseres kollektiven Verfalls. Sie warten. Sie warten immer.

Die Menschen, die an mir vorüberziehen, sind keine Menschen mehr. Es sind Automaten aus Fleisch und Knochen, ihre Bewegungen ruckartig und fremdgesteuert, ihre Gesichter leere Masken, auf denen das flackernde Licht der Bildschirme die Illusion von Leben malt. Ihre Augen sind blinde Linsen, die durch mich hindurchsehen, fixiert auf ein Nichts, das nur sie zu erkennen scheinen. Wir sind Echos in einer Halle aus Beton und Glas, gefangen im statischen Rauschen einer kaputten Übertragung, unsere Identitäten so brüchig wie das Spinnennetz aus Rissen in einer Fensterscheibe, hinter der niemand mehr wohnt. Manchmal, wenn der Wind den Smog für einen Augenblick zerreißt, glaube ich, in den spiegelnden Fassaden der Wolkenkratzer nicht mein eigenes Gesicht zu sehen, sondern eine verzerrte Fratze, ein kosmisches Grauen, das sich an der Realität sattfrisst und uns alle verdaut.

Ich ziehe den Kragen meines Mantels enger, eine vergebliche Geste gegen die Kälte, die nicht von außen kommt, sondern aus dem Inneren kriecht, aus den Hohlräumen meiner eigenen Existenz. Die Zeit selbst ist hier zu einem zähen Brei geronnen, Sekunden dehnen sich zu Ewigkeiten, während Jahre im flackernden Stroboskop einer defekten Reklame vergehen. Ein Graffiti an einer Mauer schreit mir entgegen: “ROST & EISEN MASCHINE”. Es ist das Kredo dieser Welt, das Gesetz, nach dem unsere Herzen aus Metall schlagen, bis sie endgültig erstarren. Und doch, tief unter dem Lärm, unter dem Gestank und der allgegenwärtigen Verzweiflung, spüre ich ihn manchmal – einen kaum wahrnehmbaren Puls. Ein leises, trotziges Pochen in den Eingeweiden der Stadt, ein Flüstern in den Rissen der Realität, das andeutet, dass selbst im tiefsten Abgrund noch etwas atmet. Vielleicht ist es nur der letzte Herzschlag eines sterbenden Gottes. Oder vielleicht ist es meiner.

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Über sieben Brücken

Über sieben Brücken
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18 · TaoTeKing · Verfall der Sitten

18 · TaoTeKing · Verfall der Sitten

18 · TaoTeKing · Verfall der Sitten · Laotse · Weisheit


Der große SINN wurde verlassen:
so gib es keine Sittlichkeit mehr und Pflicht.
Besondere Klugheit und Erkenntnisse kamen auf:
so gibt es nur noch die großen Lügen.
Die Blutsverwandten wurden uneins:
so gibt es keine Kindespflicht mehr und Liebe.
Die Staaten kamen in zunehmende Verwirrung und Unordnung:
so gibt es keine treuen Diener mehr.
Verfall steht nun auf der Tagesordnung.
18 · TaoTeKing · Verfall der Sitten · Laotse · Weisheit

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gedankensprache
gedankensprache

mit dem verfall unseres hauses

haben wir die vertrautheit des alltags verloren.


mit dem verlust unseres berufes

büßen wir

unser vertrauen

und das gefühl in dieser welt

von nutzen

zu sein.


mit dem schwund der sprache

verloren unsere reaktionen

ihre natürlichkeit,

und wir

den ungezwungenen ausdruck

unserer gefühle.


© j.k / gedankensprache

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saulocruz
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Fall of the Soviet Union por Christina

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liminally-unclear
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Sharing one of my favorite dragons rn :3c

verfall!! it/its plz

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nikkk5
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drschwein
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Bilder meines Verfalls - Bild 87

07.10.2008
Hier verstecke ich mich hinter 10.700 oder 11.700 €. Mit dem Foto wollte ich Frauen beeindrucken und sie glauben lassen, dass all das Geld mir gehört. In Wahrheit musste ich von dem Geld ein Fahrzeug bezahlen und abholen, weil Praktikanten so etwas manchmal machen müssen. Ich habe natürlich vergessen, um was für ein Fahrzeug es sich dabei handelte, weiß aber, dass ich keine Frauen…


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drschwein
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3 Jahre ungeküsst

Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Während ich es nicht geschafft habe, drei Jahre keinen Sex zu haben, habe ich es komplett ohne Schwierigkeiten geschafft, drei Jahre ungeküsst zu bleiben, obwohl ich immer dachte, dass es leichter sein muss, eine Frau zu küssen als Sex mit einer zu haben. Da habe ich mich wohl, wie so oft in meinem Leben, geirrt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob…

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drschwein
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Bilder meines Verfalls - Bild 86

04.10.2008

Albern oder komplett durchgeknallt auf einer Bank in Bremen. Ich war schon immer ein witziges Kerlchen. Vielleicht aber auch nur gestört. Die Grenzen sind da fließend und ich tendiere zum gestört sein. Die Schuhe gefallen mir aber. Davon sollte ich mir wieder einige zulegen.


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friedrichwill
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Wenn Virenschleudern Kontakt suchen

Wenn Virenschleudern Kontakt suchen

Als ich zu Jörg ins Büro gehe, ruft er plötzlich, dass ich draußen bleiben soll, weil sein Kumpel, mit dem er am Abend vorher unterwegs war, nicht nur schwer erkältet ist, sondern auch Corona hat. Ich finde das Verhalten zwar fragwürdig, aber besser als mich nicht darauf hinzuweisen. Nachdem sein Corona-Test, den er natürlich sofort macht, negativ ist, ist direkt wieder alles gut. Entwarnung…

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drschwein
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Bilder meines Verfalls - Bild 76

Bilder meines Verfalls – Bild 76

November 2006
Ein letztes Foto aus dem Jahr 2006. Endlich wieder ein Passfoto. Auch hier hinterlasse ich einen recht passablen Eindruck und wirke möglicherweise wie ein vollwertiges und nützliches Mitglied unserer Gesellschaft. Das Gestörte kam bei mir meist mehr von innen heraus, so dass man mir nicht unmittelbar anmerken musste, dass ich komplett einen an der Waffel habe.
Und jetzt singe ich…


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drschwein
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Letzte Nachsorgeuntersuchung 2022


Da ich dem Hautarzt morgen zum Abschied sagen will, dass ich weitere Termine bei ihm nicht wahrnehmen werde, weil ich es satt habe, wie ein Hund vor der Tür warten zu müssen, schaue ich online nach anderen Hautarztpraxen in der Nähe. Schnell stelle ich fest, dass in anderen Hautarztpraxen die gleichen Zustände herrschen. Ungeimpfte müssen draußen warten. Der Hautarzt, den ich nicht mehr besuchen…

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ahmerinam
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fadenscheinig by “Lischen” https://flic.kr/p/2nm6J5J

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drschwein
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Bilder meines Verfalls - Bild 61

Bilder meines Verfalls – Bild 61

28.06.2003
Gespielte Lässigkeit, während ich mich an einem LKW festhalte. Ich trage, so sieht es jedenfalls aus, das gleiche Outfit wie beim letzten Bild des Verfalls. Kontinuität war mir schon damals wichtig. Dieses Mal trage ich allerdings die Brille dort, wo sie hingehört. Meine natürliche Körperhaltung unterstreicht den Charme dieser Momentaufnahme.


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drschwein
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Ordnung schaffen für die Zeit nach mir

Ordnung schaffen für die Zeit nach mir

Ich habe tatsächlich noch ein paar Dinge, die mal meinem Onkel gehörten, ebenso Dinge meiner Eltern und auch Sachen, die mir schon ewig gehören, die aber eigentlich keinen Nutzen mehr haben. In letzter Zeit habe ich öfter das Bedürfnis diese Sachen loszuwerden. Manches verschenke ich, manches versuche ich zu verkaufen, weniges werfe ich weg. Ich möchte nach und nach all diese Sachen loswerden,…

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drschwein
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Gedanken zum eigenen Ableben

Gedanken zum eigenen Ableben

In letzter Zeit denke ich viel darüber nach, wer mich wohl findet, wenn ich in meiner Wohnung gestorben bin und wie lange es wohl dauert bis man mich findet. Erst dachte ich, dass Petra mich finden wird, weil sie, wenn sie einfach nichts mehr von mir hört, nachschauen kommt. Da sie aber dann davon ausgehen wird, dass ich verstorben bin, dachte ich als nächstes, dass sie den Manni mitbringen wird.…

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