I survived Shell Shock and all I got was a much bigger server!
Fünf Jahre scheint die Lebensdauer eines Linux-Servers im Internet zu sein.
Jedenfalls lief mein Root-Server wieder fünf Jahre seit dem ersten Zwischenfall. Inzwischen hatte es mehrere kleinere Zwischenfällchen gegeben: ungefähr einmal im Jahr hatten Bösewichte eine Lücke gefunden, durch die sie SPAM verschicken konnten.
Die globale SPAM-Abwehr funktionierte aber zuverlässig und ich hatte regelmäßig binnen 24 Stunden einen abuse-Hinweis des Providers im Postfach. Ich suchte nach dem Einfallstor und sperrte fortan immer mehr nicht benötigte Dienste in der Firewall.
Am Ende musste ich sogar zum Administrieren des Servers über das Admin-Panel des Providers die Ports für Secure Shell und das Admin-Tool Plesk manuell freischalten.
Das war lästig.
Da ich inzwischen Linux auch auf dem Notebook hatte, installierte ich dort LAMP - also neben Linux auch den Webserver Apache, die Datenbank mySQL und die Web-Programiersprache PHP. Ich kopierte die Installation vom Server.
Um das mittelveraltete Joomla mit der neuen Datenbankversion zu betreiben musste ich noch ein Update in Joomla einspielen.
Es lief.
Weihnachten 2013 wollte ich den Server neu aufsetzen, scheute dann aber die Arbeit.
Am 26.9.2014 wurde eine Sicherheitslücke bekannt, die kurz darauf Shell Shock genannt wurde.
Am 8.10.2014 bekam ich gegen 17 Uhr eine Mail von meinem Provider, dass Routinekontrollen ergeben haben, dass jemand meinen Server per Shell Shock kompromittiert habe.
Ich wollte mir den Schaden ansehen, aber Plesk lief nicht. Die Webseiten hingegen schon. Ich bootete den Server. Weder mySQL noch Apache starteten von selbst.
Ups.
Ich rief die Kundin an, informierte sie über den Zwischenfall und dass sie bis auf Widerruf nichts im Redaktionssystem machen solle.
Wieder kopierte ich die aktuellen Dateien und Datenbankinhalte auf mein Notebook, veranlasste beim Provider eine Neuinstallation mit einem aktuellen CentOS, das schon gegen Shell Shock abgedichtet war.
Um 22:30 liefen die Domains wieder wie vorher - abgesehen von einem peinlichen Tippfehler bei einer Mailweiterleitung.
In der Folge stellte ich fest, dass der Server immernoch mit garantierten 256 Megabyte RAM lief. Alleine dass er lief war ein Wunder, jedes Smartphone war inzwischen leistungsfähiger.
Eine halbwegs aktuelle Version von Plesk setzte jedoch ein Upgrade der virtuellen Hardware voraus.
Ich stellte fest, dass ich inzwischen für 2€ mehr pro Monat beim selben Provider ein Paket mit sechsmal so vielen CPUs und dem 24fachen Hauptspeicher bekomme.
Doch das wird eine andere Geschichte.
(Volker König)